Auenwälder

Abwechslung am Rande des Kaiserstuhls

 

Schwan und andere Tiere im AltrheinDie breiten Talauen der großen Flüsse stellen auch in vegetationskundlicher Sicht eigene Landschaftsräume dar. Hätte man die Wälder nicht ausgerodet und die Braunen Auenböden nicht als Wiesen- und Ackerland genutzt, wären sie jetzt hauptsächlich mit Stieleiche, Esche und Ulme je nach Standort bewachsen. Wegen der guten Nährstoff- und Wasserversorgung haben sich in der Verbindung mit Auenlehmablagerung, Hartholzauen entwickelt, die aber gerade deshalb für Ackerlandzwecke gut ausgenützt werden können. Deswegen zählen die Hartholzauen heute zu den stark bedrohten Waldgesellschaften.

 

Man findet drei wichtige Typen der Auenwälder die sich durch den Grundwasserflurabstand, sowie die Überschwemmungshäufigkeit und Dauer unterscheiden.

Silberweidenwälder

Aufgrund regelmäßig überschwemmten kies- und schotterreichen Böden in Ufernähe von Flüssen und Binnenseen mit schwankendem Wasserstand, haben sich Weichholzauen ausgebildet. Diese werden noch als Silberweidenwälder beschrieben.

Die meisten der Weiden sind Begleiter der Bach- und Flussläufe. Die Silberweide mit ihren oft mächtigen Exemplaren, ist die namensgebende Art der wichtigsten Pflanzengesellschaft im Überschwemmungsbereich der großen Flüsse, dem Silberweiden-Gehölz. Den periodischen Wechsel von Überschwemmung und Trockenheit unmittelbar am Gewässerraum, ertragen neben der Weide nur wenige weitere Baumarten wie Schwarzpappel und Erlen. Die Silberweide tritt häufig zusammen mit der Bruch- oder Knackweide auf. Dort wo die Flusstäler tiefer eingekerbt sind und die Aue schmäler, löst die Bruchweide allmählich die Silberweide ab. Sind dem Silberweiden-Gehölz noch ausreichend große Kies- oder Sandbänke vorgelagert, schließt sich dort Mandelweiden an. Weitere Arten des Auewaldes sind die Lavendelweide, die Purpurweide und die Aschweide.

 

In der Vergangenheit wurden die Weiden häufig als sogenannte Kopfweiden wirtschaftlich genutzt. Die Weiden (von Salix x rubens) wurden zum Anbinden der Reben, zum Binden der Wellen aus Rebholz und zum Flechten von Körben verwendet. Zum Teil fanden Sie auch Verwendung bei der Uferbefestigung. 

Eschen-Ulmen-Auenwald

Auf grundwasserferneren Standorten wächst als untere Stufe der Hartholzauen der Eschen-Ulmen-Auenwald. Die Böden sind aus Auenlehm hervorgegangen und werden nur noch selten bei starkem Hochwasser überflutet. Der Anteil der Hauptbaumarten Esche, Ulme und Stieleiche ändert sich mit dem standörtlichen Bodenfeuchtregime, dass durch Flüsse gesteuert wird. Diese Wälder kommen zumeist nur noch teilweise in den Auen von Donau, Rhein, unterer Weser, Elbe und Oder, sowie an den Unterläufen ihrer größeren Nebenflüsse vor.

Stieleichen-Ulmen-Auenwälder

Als oberste Stufe der Hartholzauen haben sich auf tiefgründigen Böden aus Auenlehm die Stieleichen-Ulmen-Wälder ausgebreitet. Sie werden nur noch von extremen Hochwässern erreicht. Besonders im Sommer liegt der Grundwasserspiegel oft lange Zeit unter diesem Hartholzauentyp, weshalb die Stieleiche stärker hervor- und die Esche mehr zurücktritt.

Weitere Beispiele der Auenwälder

Auf den jungen Schotterfluren einiger Alpenflüsse, wie Iller, Inn, Tiroler Ache, Traun und Saalach, gibt es im Alpenvorland auf Braunen Auenböden zumeist ohne Grundwasseranschluss noch ausgedehnte Reste eines edellaubholzreichen Auenwaldes. Darin ist neben Esche und Bergulme vor allem der Bergahorn vertreten. Auf den Auen des Tieflandes, die ständig im Kontakt mit Grundwasser kommen und ziemlich regelmäßig überflutet werden, wächst auf mineralischen Nassboden der Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald. Die Baumschicht enthält neben Esche und Schwarzerle die Traubenkirsche sowie in östlichen Mitteleuropa auch die Fichte. Eine Sonderform der Auenwälder sind die Trockenauen-Kiefernwälder.

Ursachen für den Verlust von Auenwälder

An den aus den Alpen kommenden Flüssen wie Rhein, Isar und Inn konnten sich Auenwälder viel länger in größerem Umfang erhalten als an den Mittelgebirgen entspringenden Flüssen wie Elbe, Oder, Ems und Weser. An den Mittelgebirgsflüssen wurden die Auenwälder schon vor Jahrhunderten für eine landwirtschaftliche Nutzung gerodet. Der fruchtbare Boden wurde für eine ertragreiche Grünlandnutzung herangezogen. Da das Hochwasser der alpinen Flüsse mit ihren durchschnittlich höchsten Wasserstand im Sommer in die Zeit der Heuernte fiel, war hier eine Rodung der Auenwälder für die Landwirtschaft nicht interessant und blieb deshalb auf einzelnen Fläche beschränkt. Dies änderte sich Anfang des 19. Jahrhunderts, als in Deutschland die ersten großen Flussbegradigungen erfolgten, so die Tulla'sche Rheinkorrektur um 1825.

Im Laufe der Zeit wurden die meisten Flüsse aus Hochwasserschutzgründen, zur Schiffbarmachung und zur Stromgewinnung begradigt, kanalisiert und mit Dammbauten und Staustufen ausgerüstet. Durch die Flussbegradigungen erhöhte sich die Fließgeschwindigkeit und das Flussbett wurde tiefer ausgewaschen. Die Befestigung der Ufer verstärkte die Tiefenerosion zusätzlich. Die Tiefenerosion führt bis heute zu einem schleichenden Verlust von Auenwaldstandorten, weil sich Wasserverhältnisse in den Auen verschlechtern. In den ausgedeichten Bereichen wie auch in den verkleinerten Überschwemmungsgebieten kam es zum Absinken des Grundwasserspiegels und folglich zum Austrocknen der Auen, die gleichzeitig als Grünland erschlossen wurden. Die Gewinnung enormer Mengen an Kies und Sand für wasserbauliche und andere bauliche Maßnahmen führte zu einer weiteren Schädigung der Aue indirekt durch Siedlungen, Straßen und Industrie.

 
 

Die Tulla'sche Rheinkorrektur um 1825, bei Rheinhausen

Infos über Auenböden

Quelle: Talauen von Melissa Mekic, Uni Tübingen

 

 


   
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