Lazarus von Schwendi
1522 wurde Lazarus von
Schwendi als nichteheliches Kind Rutlands von Schwendi und der Magd
Apollonia Wenken in Mittelbiberach geboren.
1524 wurde er von Kaiser
Karl V legitimiert.
Zunächst studierte er in Basel, wechselte 1535 nach Straßburg.
1546 trat er in den Dienst Karl V.
Er agierte im Auftrag Karl V. bei den oberdeutschen protestantischen
Reichsstädten.
Auf dem Regensburger Reichstag von 1546fungierte er als Unterhändler
Karls V.
Er nahm am Schmalkaldischen Krieg teil, wobei er die Zerstörung der
Festen Gotha und Grimmenstein des gefangenen Kurfürsten Johann Friedrich
von Sachsen beaufsichtigte.
1552 überwachte er im kaiserlichen Auftrag
die von Moritz von Sachsen gegen die Stadt Magdeburg durchgeführte
Exekution, ohne allerdings dessen Verrat zu ahnen, und nahm an den
Kämpfen Karls V. gegen die Franzosen teil.
1552 wurde er im kaiserlichen Heerlager vor
Metz zum Ritter geschlagen.
Nach dem Abgang Karls V. kämpfte Schwendi im niederländischen Heer gegen
Frankreich (Schlachten von St. Quentin 1557 und Gravelingen 1558).
In dieser Zeit freundete er sich mit Wilhelm von Oranien, Egmont und
Horn an und machte auch die Bekanntschaft Granvellas und Albas.
1562 nahm Schwendi vermutlich aus Opposition
gegen die spanische Politik in den NiederlandenUrlaub von den Diensten
Philipps II.
1564 wechselte er endgültig in den Dienst
der deutschen Habsburger über.
1562/63 inspizierte er im Auftrag Kaiser
Ferdinands I. die ungarische Grenze.
Am 18.12. 1564 ernannte ihn Kaiser Maximilian II. zum Generalkapitän der
deutschen Truppen in Ungarn und danach zum obersten kaiserlichen
Feldhauptmann gegen die Türken. Seine militärischen Erfolge, die er in
den Jahren 1565/66 gegen die Türken und Zapolya von Siebenbürgen
erzielen konnte, und sein Organisationstalent, das er bei der
Grenzsicherung an den Tag legte, erregten in Europa Aufsehen,
verschafften ihm hohes Ansehen und begründeten seinen Ruf als Feldherr.
Während dieser Zeit ist Lazarus von Schwendi wohl auch auf die
Ruländerrebe gestoßen. Da er vermutete, dass diese Rebe die Grundlage
des Tokayers sei, brachte er diese Rebe in seine Heimat mit.
1567 bat er Kaiser Maximilian II. um seine
Rückberufung aus Ungarn
1568 suchte er nach seiner Ernennung zum
Reichsfreiherrn von Hohenlandsberg (29. Oktober) aus unbekannten Gründen
um seine Demission nach.
Maximilian II. wollte jedoch nicht völlig auf seine Dienste verzichten,
sondern sandte ihn um die Jahreswende 1568/69 als Generalkapitän zu
einer neuerlichen Inspektionsreise an die ungarische Grenze. Die Krönung
seiner militärischen Laufbahn brachte die Ernennung zum Generalleutnant
auf dem Frankfurter Deputationstag von 1569.
Mit diesem Rang war die Funktion eines Stellvertreters des Kaisers in
seiner Eigenschaft als Generaloberst des Reiches verbunden. - Neben
seiner militärischen Tätigkeit wuchs Schwendi seit 1568 auch mehr und
mehr in die Funktion eines der maßgeblichen Berater Kaiser Maximilians
II. hinein. Dabei war es unverkennbar sein Anliegen, die wegen der
konfessionellen Spannungen latent vorhandene Gefahr eines Bürgerkrieges
in Deutschland zu bannen. Aus diesem Grunde warb er für die Idee der
gegenseitigen Tolerierung der Konfessionsparteien, warnte vor der Gefahr
eines Übergreifens der konfessionellen Kämpfe von den Niederlanden auf
das Reich und sprach sich gegen die von Bayern betriebene Erweiterung
des Landsberger Bundes unter Einbeziehung Herzog Albas aus. Als probates
Mittel zur Sicherung des Friedens im Reich schien ihm eine auf den
Reichskreisen basierende Wehrverfassung unter dem Oberbefehl des Kaisers
zu sein. Schwendi gab sich damit als Verfechter des Gedankens der
Reichseinheit zu erkennen, die es nach der Zeit der »Zertrennung«
infolge der konfessionellen Spaltung durch einen Ausgleich zwischen den
Konfessionen und eine Stärkung der kaiserlichen Gewalt zu erreichen
galt. Im Ergebnis sollte die bestehende ständisch-libertäre Struktur des
Reiches durch eine zentral gelenkte Monarchie ersetzt werden. In diesem
Sinne wirkte er auch auf den Reichstagen von 1566 und 1576. Die
Vorstellungen standen jedoch in scharfem Kontrast zur Realität des
Reiches und stießen deshalb sowohl beim Kaiser, der keine weitere
Eskalierung der Spannungen wollte, als auch bei den Reichsständen, die
von ihren erlangten Positionen nichts preisgeben wollten, auf Ablehnung.
Am 28. Mai 1584 ist Lazarus von Schwendi auf
seinem Schloss in Kirchhofen gestorben.
Neueste Forschungen weisen ihn als Repräsentanten des deutschen
Späthumanismus mit vielschichtigen und weitreichenden Kontakten sowie
als Förderer von Kunst und Wissenschaft aus. Auch über 400 Jahre nach
seinem Tod mobilisiert der Name Lazarus von Schwendi noch viele
Menschen. Seine damals wie heute nicht selbstverständliche, politische,
soziale und wirtschaftliche Handlungsweise hinterließ segensreiche
Spuren bis in die jüngste Vergangenheit. Vor allem verschiedene Kontakte
zwischen verschiedenen Gemeinden, die einstmals Lazarus von Schwendi zum
Herrn hatten, führten am 10. Mai 1986 in Kientzheim im Elsaß zur
Gründung des Schwendi-Bundes zwischen sechzehn Gemeinden aus Belgien,
Deutschland und Frankreich. Sinn dieses grenzübergreifenden
Freundschaftspaktes ist es, das von Klarsicht und Toleranz geprägte
geistige Vermächtnis Schwendis weiterzuvermitteln. Alljährlich treffen
sich Vertreter der beteiligten Orte abwechselnd in einer der
Partnergemeinden.
Seine fürsorgliche Einstellung zu seinen Untertanen zeigt sich auch in
einer Trinkordnung, die er für seinen Herrschaftsbereich erlassen hat:
Trinkordung auf PDF
