Terrassenbildung am Rhein

Rheinschleuse

Terrassenbildung in der Flußlandschaft

Talterrassen

Talterrassen, auch Flussterrassen genannt, sind Reste früherer Talsohlen. Sie entstehen wenn ein Gerinne nach einer Zeit der Sohlenbildung sich erneut eintieft und damit die Talsohle wieder zerstört. Solche Talterrassen können sowohl aus Aufschüttungs- als auch Abtragungssohlen entstehen. Im ersten Fall spricht man von Schotter- oder Aufschüttungsterrassen, im zweiten von Fels-, Felssohlen- oder Erosionsterrassen. Hauptursachen der Terrassenbildung sind tektonische Hebung, Vermehrung der Wasserführung und eustatische Absenkung des Meeresspiegels. Das Ergebnis zeigt, dass der Fluss in deutlich eingesenktem Bett einige Meter tiefer fließt als zuvor. Vertiefung des neuen Einschnitts führt zu allmählicher Aufzehrung älteren höheren Talbodens.
Niederterrassen

Diese Gebiete sind hochwasserfrei. In tieferen Bereichen ist aber ein Grundwassereinfluss vorhanden. In alten Rinnen finden sich jüngere, kolluviale Sedimente oder Niedermoore. Flussnah treten kaltzeitliche Hochflutlehmdecken und zum Teil holozäne Dünen auf. Auf den geringmächtigen Hochflutlehmdecken, die auch häufig auskeilen, entwickelten sich gut durchflutete Braunerden und Parabraunerden. In den alten Rinnen finden sich vorwiegend Gleye. Die Dünen werden durch junge, unentwickelte Rohböden und Syroseme geprägt.
Auenterassen

Auenterrassen ist ein morphologischer Begriff, der in verschiedenen Talabschnitten unterschiedliche stratigraphische Sedimentenkörper einbeziehen kann. Denn Auenterrassen sind solche Talterrassenflächen, die von extremen Hochfluten erreicht werden.

Nach Morphologie, Pedologie und geologischem Bau lassen sich drei Auenterrassengruppen unterscheiden, die wiederum in Einzelterrassen gegliedert werden können:

Die Höheren Auenterrassen unterscheiden sich nur durch Dezimeterbeträge in der Höhenlage untereinander. Allgemein liegt die älteste am höchsten, die jüngste am niedrigsten, doch sind sie auch oft höhengleich. Das trifft nicht nur die Oberfläche sondern auch die Terrassenbasis zu. Ihre Auensedimentdecke ist mehrgliederig, d,h. über dem abschließenden Auenboden der jeweiligen fluviativen Serie liegen jüngere Auensedimente.

Die Mittleren Auenterrassen liegen mit ihrer Oberfläche im Mittel ca. 1m tiefer als die Höheren, und ihre Basis liegt über der Höheren Auenterrassen. Sie sind also als Ganzes in die Höheren Auenterrassen eingeschachtelt. Untereinander sind die Mittleren Auenterrassen wiederum Reihenterrassen, heben sich also nach Terrassenoberfläche und Basis kaum voneinander ab. In ihrer flächenhaften Verbreitung halten sie sich erstmalig relativ eng an den heutigen Flusslauf. Ihre Auensedimentdecke ist im Unterschied zu den Höheren Auenterrassen eingliedrig. Die fluviative Serie dieser Terrassen endet also mit der heutigen Oberfläche.

Die Tiefere Auenterrasse begleitet den Fluss als schmales Hochflutbett. Sie ist morphologisch sehr stark von den Mittleren abgesetzt. Der Höhenunterschied beträgt 1,5 bis 2,5 m. Das Auensediment ist eingliederig und nur schwach entwickelt. Die Terrasse ist demnach in ihrer gesamten Erscheinung den Mittleren und Höheren Auenterrassen nicht gleichartig.

Auelehm

ist geologisch junge, feinkörnige, humushaltige, vor allem bei Hochwasser abgelagerte Lehmdecke von Talböden. Der Auelehm ist in Mitteleuropa erst seit Neolithikum nachweisbar, seit dem Beginn des Ackerbaus, der in Folge der Waldrodung zur verstärkter Bodenerosion führte. Talauen sind fast lückenlos mit warmzeitlichen Auelehmdecken bedeckt. Diese wurden in mehreren Phasen abgelagert und lassen sich zum Teil mit den Siedlungsphasen korrelieren. In der Regel sind nach der Sedimentausbildung drei Komplexe (ältester, älterer und jüngerer Auelehm) zu unterscheiden. Die ältesten Auelehme sind häufig sehr tonig und tragen zum Teil einen schwarzen, reliktischen Boden. Die älteren Auelehme sind im Oberboden entkalkt. Die jüngeren Auelehme wurden zum großen Teil infolge der mittelalterlichen und neuzeitlichen Bodenerosion im Oberlauf gebildet und sind noch nicht entkalkt. Durch den langen Transportweg im Wasser veränderten sich die Kornverteilung und die Eigenschaften des erodierten Materials, so dass mit dem Auelehm ein neues Substrat entstand.

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