Johann Gottfried Tulla

Rheinschleuse

Der Bändiger des Rheins: Johann Gottfried Tulla

1770     am 20. März geboren
1792      Ausbildung in Gerabronn bei Karl Christian von Langsdorf
1795     Studien in Freiburg
1796     Übernahme in badischen Staatsdienst
1797     markgräflicher Ingenieur
1801      weitere Ausbildung in Paris1802
1802      Rückberufung nach Karlsruhe
1803     Ernennung zum Hauptmann
1809     Ernennung zum Major
1814      Ernennung zum Oberleutnant
1817     Leiter der Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaues
1824      Ernennung zum Obersten
1827      Ernennung zum Offizier der französischen Ehrenlegion
1828     am 27.März gestorben

Johann Gottfried T u l l a wurde am 20. März 1770 in Karlsruhe als Sohn eines Pfarrers geboren. Hier besuchte er auch das Gymnasium, wobei er sich als guter Schüler in Mathematik und in den anderen Naturwissenschaften zeigte. Technische Hochschulen gab es seinerzeit in den deutschsprachigen Ländern noch nicht. Tulla wurde, da dem Vater die Mittel für die weitere Ausbildung seines Sohnes fehlten, von Seiten des Landesfürsten ein Stipendium gewährt, das ihm zunächst auf geometrischern Gebiet eine Ausbildung für seinen späteren Beruf als Tiefbauingenieur erlaubte.

Auf Empfehlung von Tullas Lehrern entschloss sich Markgraf Karl Friedrich, den jungen Geometer auf wissenschaftlichem Gebiet weiter zu fördern, was nicht zuletzt im Interesse der Markgrafschaft lag, denn im Straßen- und Wasserbau musste mehr als bisher getan werden und hierzu wurden Fachkräfte vermehrt gebraucht.

Zur weiteren Ausbildung entsandte man Tulla nach einer Zwischenprüfung im Jahre 1792, wiederum auf Vorschlag seiner bisherigen Lehrherren, nach Gerabronn, einem Salinenort in Franken, zu dem damaligen Salinenleiter und späteren Professor der Mathematik an den Universitäten Erlangen und zuletzt Heidelberg, Karl Christian von Langsdorf.

Bei Langsdorf widmete sich Tulla neben den mathematischen Studien den Studien der Mechanik und Hydraulik, wobei er auch von seinem Lehrer zur Mitarbeit an einem wissenschaftlichen Werk über Hydraulik herangezogen wurde. Seine Zwischenzeugnisse, die von Zeit zu Zeit nach Karlsruhe gesandt wurden, fielen immer sehr gut aus. Seine zweijährige Ausbildung bei Langsdorf ging im Sommer 1794 zu Ende.

Auf Vorschlag seines Lehrers Langsdorf ging Tulla dann auf Staatskosten auf eine Ausbildungsreise, und zwar zunächst nach Düsseldorf zu dem dortigen Wasserbaudirektor v. Wiebeking. Von dort ging er nach Holland, wo er Wasserbauten aller Art eingehend besichtigte.

Mitte Oktober war er in Hamburg, wo er Deich- und Kribbenbauten ansah und auch an Stromgeschwindigkeits-Messungen teilnahm. Von Hamburg aus reiste Tulla nach Freiberg in Sachsen, wo er an der dortigen Bergakademie Vorlesungen über Chemie und Mineralogie belegte. Nach dem Wintersemester ging er mit seinem Lehrer Langsdorf nach Norwegen und half ihm bei der Überprüfung einer Staatssaline.

Im Herbst 1795 setzte er seine Studien in Freiberg fort. Exkursionen die ihn u.a. auch nach Böhmen führten, bereicherten seine Ausbildung und befriedigten seine Reiselust. Ende Mai 1796 beendete er sein Studium in Freiberg. Seine Ausbildung hatte bis zu diesem Zeitpunkt etwa 3 500 fl (bis August 1795 waren es genau 2 720 fl) den Markgrafen gekostet.

Nach einem nochmaligen Aufenthalt bei seinem väterlichen Freund in Gerabronn kam Tulla im Spätjahr 1796 nach Karlsruhe zurück. Hier wurde er nicht sofort in den badischen Staatsdienst übernommen. Er volontierte nochmals stark ein halbes Jahr lang bei dem bereits genannten Wasserbau-Fachmann K. F. von Wiebeking, der damals in Darmstadt hessischer Rheinbauinspektor war.

Im November 1797erhielt Tulla als Ingenieur eine endgültige Anstellung als markgräflicher Beamter. Er war froh, in finanzieller Hinsicht endlich auf eigenen Füßen stehen zu können. Aus den Geldsorgen, die er zeitlebens hatte, kam er zwar nicht heraus, denn seine Barbezüge beliefen sich jährlich nur auf 4oo fl, wozu noch ein Deputat von 2 Malter Roggen, 8 Malter Dinkel und 8 Ohm Wein II. Klasse kam, was einem Geldwert von rund 120 fl entsprach. Er wurde mit den Rheinbauarbeiten im Oberamt Rastatt beauftragt. Der Tulla-Damm bei Steinmauern erinnert noch heute an diese Tätigkeit.

Um seinen Dienstbezirk näher kennenzulernen, musste Tulla viel auf Inspektionsreisen gehen. Hierbei entstanden ihm Ausgaben, die durch die bewilligten Reisespesen nicht gedeckt werden konnten, zumal ein Reitpferd notwendig war. Neue finanzielle Schwierigkeiten waren die Folge.

Tullas Amtsbezirk lag in seiner ganzen Länge dem französischen Ufer gegenüber. Im Interesse eines guten Kontaktes mit den französischen Flussbautechnikern war es gelegen, dass er gut französisch sprechen konnte. Sein Vorschlag, ihm Gelegenheit zu geben, seine französischen Sprachkenntnisse zu verbessern, wurde von seinem Chef in der badischen Wasser- und Straßenbau- Verwaltung, Vierordt, unterstützt.

Tulla hatte anscheinend wieder einmal das Fernweh gepackt. Da er aber diese sprachliche Ausbildung nicht selbst bezahlen konnte, sprang der Markgraf wieder finanziell helfend ein. Mit bestimmten Auflagen bezüglich der Art seiner Ausbildung ging Tulla im Sommer 1801 nach Paris. Neben der Spracherlernung wollte er sich auch in technischer Hinsicht weiterbilden, und dazu auch Verbindungen mit führenden Ingenieuren des französischen Wasser- und Straßenbaues anknüpfen, was zum Teil auch gelang. In sprachlicher Hinsicht war der Erfolg dagegen weniger groß. Er hatte einfach kein Sprachtalent, was sich in der Schule schon gezeigt hatte.

Ende 1802 wurde er nach Karlsruhe zurückberufen. Er werde in Karlsruhe gebraucht, argumentierte man, anscheinend war aber auch der finanzielle Aufwand zu hoch geworden.

1803 wurde Tulla zum Hauptmann ernannt. Seine Barbezüge erhöhten sich um ein Drittel auf 6oofl, auch die Naturalbezüge steigerten sich (Hafer, Heu und Stroh kamen als Pferdefourage dazu). Als Oberingenieur erhielt er einen größeren Dienstbezirk von der Kinzig bis zur Alb. Am Rhein waren noch keine Flussbauarbeiten größeren Umfangs möglich. Dagegen wurden Begradigungen an Kinzig, Rench und Murg in Angriff genommen, die sich in Verbindung mit Dammbauten und sonstigen Flussbettverbesserungen sehr zum Vorteil der Anwohnerschaft dieser Flüsse auswirkten.

Zu ähnlichen Flussbau- und Kulturarbeiten wurde Tulla über eine Reihe von Jahren mit Zustimmung des inzwischen zum Kurfürsten ernannten Karl Friedrich von der Schweiz in Anspruch genommen. In dieser Zeit gediehen auch seine Planungen über die Rheinrektifikation von Hüningen bis an die hessische Grenze etwa gegenüber von Worms.

Mit einer Denkschrift versehen übergab er die ausgearbeiteten Grundpläne der in Straßburg ansässigen überörtlichen französischen Flussbaubehörde ,,Magistrat du Rhin“, einer nur kurzlebigen Dienststelle, die 1809 gegründet, aber 18i4 schon wieder aufgelöst wurde.

1809 wurde Tulla vom Großherzog Karl Friedrich zum Major befördert. 8oo fl erhielt er von nun an als Jahresgehalt, neben einem verbesserten Deputat. Es war die letzte Ehrung, die er seitens seines fürstlichen Gönners Karl Friedrich hinnehmen durfte..

Aber auch der neue Großherzog verweigerte ihm nicht seine Huld. Er stellte ihn an die Spitze aller Wasser- und Straßenbauämter im ganzen Großherzogtum Baden. Sein Jahresgehalt wurde auf 1 200 fl festgesetzt. Das Deputat wurde auf einen Diener erweitert und auch drei Pferdefouragen wurden von nun an gewährt. Barbezüge und Sachleistungen beliefen sich jetzt auf 1 995 fl jährlich.

1814 wurde Tulla Oberstleutnant und als solcher im Feldzug gegen Napoleon dem Generalstab des Markgrafen Wilhelm von Baden zugeteilt. Hier tat er sich durch Anlage von Militärstraßen über die Altenheimer Schiffbrücke oberhalb von Straßburg hervor. Seine Verdienste wurden von den Russen, die auf diesen Anmarschwegen den Rhein überschritten, durch Verleihung des St. WIadimir-Ordens belohnt.

1817 wurde Tulla Leiter der Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaues in Baden. AM 26. April 1817 konnte er als Vertreter Badens das Übereinkommen mit Bayern über die Geradelegung des Rheines zwischen Neuburg und Dettenheim abschließen. Im gleichen Jahr nahm Tulla als fachmännischer Berater des badischen Staatsministers Freiherr von Berkheim an den Verhandlungen wegen der Grenzlinien-Neufestsetzung zwischen Frankreich und Baden teil, eine Arbeit, die ihn nahezu ein Jahr von seinen eigentlichen Dienstgeschäften abhielt, die aber trotzdem erst im Jahre 1840 zu einem entsprechenden Staatsvertrag führte.

Das Hauptwerk seines Lebens, die Rheinbegradigung, konnte Tulla im Jahre 1817 in die Tat umsetzen. Diese Arbeiten dauerten über 70 Jahre, also weit über seinen Tod hinaus. Sie begannen mit dem Knielinger Durchstich beim heutigen Stromkilometer 362,5 und endeten am Isteiner Klotz im Jahre 1879.

Am 1. Januar 1824 wurde Tulla der Rang eines Obersten verliehen. Wenig später erhielt er das Ritterkreuz des Großherzoglich badischen Ordens des Zähringer Löwens sowie das Ritterkreuz des Ordens der Bayerischen Krone. 1827 wurde er vorn französischen Regenten mit der Ernennung zum Offizier der Ehrenlegion geehrt.

Als Mitbegründer der Technischen Hochschule Karlsruhe, die in Oktober 1825 ins Leben gerufen wurde, dürfte er sich all dieser Ehrungen erfreuen. Leider bereitete ihm sein Gesundheitszustand ernstliche Sorgen. Rheumatische und gichtische Erscheinungen, die wahrscheinlich durch ein Blasenleiden verursacht waren, gaben dem immer kränklichen und hypochonderhaft veranlagten Tulla Anlass, die besten Ärzte zu konsultieren.

Nachdem Kuraufenthalte in badischen, württembergischen und schweizerischen Heilbädern keine Besserung brachten, wurde Tulla im Oktober 1827 zu dem für die damalige Zeit besten urologischen Facharzt Dr. Giviale nach Paris überwiesen. Dieser Arzt wollte große Blasensteine, die er bei Tulla festgestellt hatte, mit einem von ihm entwickelten ärztlichen Bohrgerät ohne eigentliche Operation entfernen.

Diese Behandlung war von Erfolg begleitet, so dass Tulla am 16. Februar 1828 in seinem letzten Brief nach Karlsruhe seine Heimreise für Anfang April 1828 andeutete. Es kam aber anders; ein allgemeiner Kräftezerfall setzte ein. An seinem Geburtstag, dem 20. März, legte sich Tulla zu Bett, um nicht mehr aufzustehen. Auch zugezogene Internisten konnten seinen Tod nicht mehr verhindern. Seine Lebensuhr war am 27. März 1828 abgelaufen. Er war 58 Jahre und 8 Tage alt geworden.

Auf die Nachricht von der Verschlechterung des Krankheitsbildes von Tulla entsandte der Großherzog Ludwig von Baden den bei Tullas Karlsruher Dienststelle angestellten Ingenieur-Praktikanten Sprenger eilends nach Paris. Dieser Mann traf aber dort seinen Vorgesetzten nicht mehr lebend an. Er konnte nur noch für die Beerdigungsformalitäten sorgen. Die Beisetzung der Leiche Tullas fand bereits am 29. März 1828 auf dem Friedhof Montmatre statt.

Das Grab ist vom badischen Regenten für ,,ewige Zeiten“ angekauft worden. Die Beerdigungskosten für den ,,verlebten Obristen Tulla“ wurden der Kasse des Wasser- und Straßenbaues am 7. September 1830 von der ,,General-Staatskasse“ ersetzt (GLa B 6313). Was dieser Betrag alles in sich einschloss, ist aus der Kameralrechnung nicht ersichtlich.

Der später gesetzte Grabstein kostete rund 1 000 ffrs. Der Betrag wurde aus Spenden bestritten, die Tullas Karlsruher Freunde gesammelt hatten; darunter waren auch Mitglieder des Großherzoglichen Hauses, die zusammen 352 fl gegeben hatten. Ein Freiherr von Eichthal gab den hohen Betrag von 116 fl. Tulla selbst hatte keine Ersparnisse hinterlassen. In seiner Karlsruher und in seiner badischen Heimat hatte man Tulla nicht vergessen.

Die Nachkommen seiner einstigen Widersacher und zum Teil auch diese selbst hatten den Wert der Tulla‘schen Rheinbegradigung mit der Zeit erkannt. Ihm zu Ehren hatten die meisten auf deutschem Oberrheingebiet am Strom oder in seiner Nähe gelegenen Kommunen Ortsstraßen nach ihm benannt. Auch Schulen tragen seinen Namen.

Quelle: L. Stumpf: Die „Maxau“, Entstehung, Brücken, Geschichte 1973.

Auelehm

ist geologisch junge, feinkörnige, humushaltige, vor allem bei Hochwasser abgelagerte Lehmdecke von Talböden. Der Auelehm ist in Mitteleuropa erst seit Neolithikum nachweisbar, seit dem Beginn des Ackerbaus, der in Folge der Waldrodung zur verstärkter Bodenerosion führte. Talauen sind fast lückenlos mit warmzeitlichen Auelehmdecken bedeckt. Diese wurden in mehreren Phasen abgelagert und lassen sich zum Teil mit den Siedlungsphasen korrelieren. In der Regel sind nach der Sedimentausbildung drei Komplexe (ältester, älterer und jüngerer Auelehm) zu unterscheiden. Die ältesten Auelehme sind häufig sehr tonig und tragen zum Teil einen schwarzen, reliktischen Boden. Die älteren Auelehme sind im Oberboden entkalkt. Die jüngeren Auelehme wurden zum großen Teil infolge der mittelalterlichen und neuzeitlichen Bodenerosion im Oberlauf gebildet und sind noch nicht entkalkt. Durch den langen Transportweg im Wasser veränderten sich die Kornverteilung und die Eigenschaften des erodierten Materials, so dass mit dem Auelehm ein neues Substrat entstand.

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